Gas durch die Ostsee

2011 soll sie in Betrieb gehen, die Ostseepipeline. Ab dann versorgt sie Europa mit russischem Gas. Damit dies auch klappt, müssen 1.220 km Stahlrohre im Meer verlegt werden. Die Mühlheimer Firma Europipe stellt dafür die Röhren her. Jede ist 18 m lang und hat einen Durchmesser von 120 cm. Mit ungefähr einer Millionen pro Jahr produzierter Röhren ist Europipe Weltmarktführer.

Rohre werden von einer weitgehend unbekannten Firma produziert

Im Ruhrgebiet horcht kaum einer auf, wenn er den Namen Europipe vernimmt. Dabei ist hier die deutsche Schwerindustrie mehr oder weniger unter sich. Europipe gibt es seit 1991 und war ein Gemeinschaftsunternehmen von Mannesmann Röhrenwerke, Bergrohr Herne und Unisor Sacilor. Mittlerweile hat Europipe aber die Besitzer gewechselt.

Weil Europipe auch für auf 40 bis 45 Jahre ausgelegte Unterwasserröhren baut, gehören sie qualitativ zu den weltweit höchstwertigen. Im Offshorebereich wurden bei Europipe noch nie Röhren reklamiert. Die Röhren müssen einem hohen Außendruck standhalten können und resistent gegen Salzwasser, Temperaruren und Chemikalien sein, die im Erdöl und Erdgas enthalten sind.

Verlegt werden die Rohre von Europipe zwischen dem russischen Wyborg und Greifswald. 900 Kilometer der Gesamtstrecke darf Europipe beisteuern. Für den Röhrenproduzenten ist dieser Auftrag das größte Geschäft, was er je gemacht hat. Weil auf russischer Ostseeseite das Gas mit 220 Bar eingepumpt wird, in Greifswald aber mit 100 Bar ankommt, müssen unterwegs die Röhren auf unterschiedliche Druckverhältnisse ausgelegt sein. Das hat Einfluss auf Durchmesser und Wandstärke.

Im zweieinhalb Minutentakt werden die Rohre in der Produktionshalle kaltgepresst. Außer der computergesteuerten Qualitätskontrolle wird jedes Rohr von einem Mitarbeiter kontrolliert. Dies wird erledigt, indem ein Mann durch das Rohr gefahren wird. Bei Rohren von nur 60 cm Durchmesser darf man dabei keine Platzangst bekommen.

Pro Tag produziert Europipe bis zu 6 km Stahrohre für die Ostsee. Damit sind die Kapazitäten der Firma ber nur zu 40% ausgelastet. Der Rest geht für andere Aufträge drauf. In den Dachkonstruktionen einiger Fußballstadien kann man auch Röhren des Unternehmens entdecken.